Vom Pfarrdorf Hundsfeld bis zum Weiler Waseneck - Wanderung des Arbeitskreises Tourismus

Neuried (df) Das Rheinvorland zwischen Marlen und Goldscheuer zu erkunden war das Ziel, der am vergangenen Freitag mit 46 Teilnehmer durchgeführten Rundwanderung, zu welcher der Arbeitskreis Tourismus Neuried unter leitung von Kurt Heitz eingeladen hatte. Dank der guten Unterstützung von Historiker Hans Roser, dem Vorstand des Vereins „Heimatpflege Goldscheuer“, konnte in einem Vorabgespräch, viel Interessantes aus verschiedenen Geschichtsepochen aus dieser Gegend in Erfahrung gebracht werden.

Bereits am Startpunkt konnte an Hand einer aktuellen Karte die Wanderstrecke aufgezeigt werden und auf zwei Flurnamen (1x „Hundsfeld“ und 1x „Waseneck“) hingewiesen werden, welche später zur Erläuterung kamen. Von großem Interesse konnte aus einem alten Kartenausschnitt von ca.1770 aufgezeigt werden, dass damals die Dörfer Marlen und Goldscheuer wesentlich weiter draußen am Rhein standen und erst mit der Zeit durch verschiedene Rheineinbrüche zurückversetzt werden mussten. So standen dort auch in kurzem Abstand die Wirtschaften „Sonne“, „Linde“, „Kreuz“ und der „alte Adler“. Im Jahre 1578 wurde die „Sonne“ bereits als ältestes Gasthaus von Goldscheuer erwähnt. Im Jahre 1618 wurde der „alte Adler“, ein Gasthaus das an der alten Riedstraße am Rhein stand, von der Gemeinde als Gemeindestube zur „Vornahme von Gemeindegeschäften“ erworben. Auch diese beiden Wirtschaften mussten Mitte des 18ten Jahrhunderts infolge eines Rheineinbruches abgebrochen und zurückversetzt werden. Auch wurde noch erwähnt, dass die „alte Riedstraße“ damals die Hauptverbindungsstraße nach Kehl war. Erst durch den Brautzug der Marie Antoinette von Wien nach Straßburg im Mai 1770, zu deren Anlass viele neue Straßen gebaut werden musste, verlor diese Straße an Bedeutung.

Kurz vor dem Hochwasserschutzdamm, an der jetzigen Bahnhofstraße, gab es Informationen über den dort stehenden historischen Bahnhof und die dahinter liegende Bahnhofs-Restauration, welche jetzt als Wohnhäuser genutzt werden. Noch heute erinnert der alte Hochwasserdamm Nr.12 an die ehemalige Streckenführung dieser Lokalbahn zwischen Kehl und Altenheim, die im Volksmund liebevoll „s`Bähnle“ genannt wurde und im März 1959 ihren Betrieb einstellte.

Auf dem Schutzdamm angekommen wurde das vor uns liegende Gebiet mit dem Flurnamen „heilig Wörth“ angesprochen, dass in Urzeit hier eine der ersten Kirchen gestanden haben soll (daher der überlieferte Name „heilig“). Weiter nördlich, links des Weges an das Kulturwehr, liegt das Gewann „Hundsfeld“, auf dem einst ein kleines Dorf mit eigener Kirche stand. Aus dessen Geschichte und dem Untergang durch einen Rheineinbruch im Jahre 1580 wurde berichtet. Links unseres Standortes, gab es einen schönen Blick auf einen Altrheinarm, das sogenannte „Faschinatloch“, welche diese Landschaft prägt.

Beim jetzigen Jachthafen wurde erwähnt, dass schon vor der Rheinregulierung sich hier ein Hafen mit Holzplatz befand, von dem Waren zum Verkauf nach Straßburg verschifft wurden. Später befand sich hier noch der Steinlagerplatz. Durch ein Bahnnebengleis wurden hierher Bruchsteine aus dem Gebirge transportiert, welche man für die Rheinregulierung benötigte. Etwas weiter nördlich stand hier auch nach der Rheinregulierung das Rheinwärterhaus. Der dort wohnende Rheinwärter hatte die Rheinbauarbeiter zu beaufsichtigen, den Rhein zu überwachen und die Bevölkerung im Hochwasserfalle zu warnen.

Ein Stück am hier durch den Hochwasserrückhalteraum Kulturwehr Kehl/Straßburg abgegrenzten Rhein entlang gehend, schwenkte man, dem Rheinauenweg folgend, in die sich hier befindliche Wiesenlandschaft ein. Einige blühende Obstbäume und blühende Weißdornhecken ergaben ein zusätzlich schöner Anblick. Bei einem Sumpfgelände, einem sogenannten Schlut, wurde ausführlich über die sich hier sehr zahlreich stehenden Weidenarten berichtet. Besonders über die Kopfweiden, einer Kulturform der Silberweide, gab es ausführliche Informationen. Auch über den vielseitigen Verwendungszweck durch die Korbflechterei besonders in früherer Zeit. So hatten selbst in Urzeit, die Kelten schon die Kunstfertigkeit des Korbflechtens beherrscht. Heute ist die wirtschaftliche Nutzung eher gering. Trotzdem werden diese Kopfweiden regelmäßig beschnitten, um ein unkontrolliertes Austreiben zu verhindern. Durch das ständige Entfernen der Kopftriebe verdickt der Stamm oben und die typische Form der Kopfweide entsteht. Mit zunehmendem Alter werden diese immer dicker und dicker und morscher und morscher. Nicht selten sind die Stämme dann fast hohl. Darin finden zahlreiche, auch bedrohte Tierarten ein Zuhause. So zum Beispiel der Steinkauz und verschiedene Fledermausarten. Auch Steinmarder, Iltis, Siebenschläfer und Mäuse fühlen sich in den Hohlstämmen wohl. Dasselbe gilt auch für zahlreiche Schmetterlings- und Insektenarten.

Am Wendepunkt der Rundwanderung, kurz vor dem Goldscheurer Baggersees, war der nächste Haltepunkt. Hier wurde erinnert an die heute noch bestehenden Flurnamen „große und kleine Waseneck“. Südwestlich von Goldscheuer lag bis ins 15. Jahrhundert der Weiler Waseneck. Hier wohnte der Wasenmeister (andere bekannte Bezeichnung war auch Abdecker oder Schinder), eine frühere Bezeichnung die wir heute Tierkörperverwertung nennen würden. Aus seinem Tätigkeitsbereich und seiner Bedeutung in damaliger Zeit wurde zitiert. Überlieferungen zufolge wurde der Weiler Waseneck bei einem Rheineinbruch zerstört. Bekannt wurde der Name dadurch, weil 1675 auf dem Gewann „die Schlacht bei Altenheim“ stattfand. Auch hierüber gab es interessante Infos zu hören.

Bei dem Grillplatz von Goldscheuer wurde anschließend eine ausgiebige, gemütliche Pause bei Getränken und Laugengebäck eingelegt. Oberhalb der Grillstelle auf dem Hochwasserschutzdamm wieder angekommen, wurde berichtet, dass hier einst der Mittelpunkt von Goldscheuer gelegen haben soll, bevor es durch verschiedene Rheineinbrüche zurückversetzt werden musste.

Goldscheuer ist der jüngste Ortsteil und wurde erst im Jahre 1424 erstmals urkundlich erwähnt. Von Interesse war, dass der Ortsname nicht wie lange gedacht, von einer Goldwäscher-Siedlung entstanden sei. Die neuerliche Forschung geht jedoch davon aus, dass Goldscheuer als Lagerort für den Zehnten (die damalige Steuer die an die Herrschaft zu entrichten war), zwischen Marlen und Kittersburg errichtet wurde. Dort stand vermutlich eine so genannte „Gültscheuer“, eine Scheune, in der die Erzeugnisse eingelagert wurden. Über die Goldgewinnung, welche überwiegend damals im Nebenerwerb betrieben wurde, gab es auch noch Kurzinfos.

Entlang des Weges auf dem Schutzdamm, von wo aus das Altrheinwasser „das Faschinatloch“ mit seinen vielen Weidenbäumen und Kopfweiden, von seiner ganzen Schönheit einsehbar war, ging es zurück zum Ausgangspunkt

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