70 Jahre Weihnachtskrippe in Ichenheim

Ein besonderes Kunstwerk in der katholischen Kirche St. Nikolaus in Ichenheim ist die alljährliche von Weihnachten bis Lichtmess aufgebaute Weihnachtskrippe. Sie ist Anziehungspunkt für zahlreiche Besucher aus Nah und Fern.

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gab es in Ichenheim die Tradition, zu Weihnachten in der Kirche eine Krippe aufzubauen. Selbst während des Krieges, als Gottesdienste zeitweise im Saal des Gasthauses Schwanen abgehalten werden mussten, hielten die Ichenheimer an dieser Tradition fest.

Auf diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass gerade in der ersten Nachkriegszeit der Wunsch nach einer Weihnachtskrippe die Menschen bewegte.

Im Jahr 1947 beginnt die Geschichte der heutigen Krippe verbunden mit dem Wirken des damaligen Mesners Albert Jäger. Ihm war die Weihnachtkrippe eine Herzensangelegenheit und entwickelte sich zu seinem Lebenswerk.

Bereits 1946 machte er sich auf Hamstertour, um die notwendigen Mittel für neue Figuren zu beschaffen. In Holzschnitzmeister Josef Glück aus Biberach fand er den Mann, der nach seinen Wünschen und Vorstellungen die Figuren anfertigte. 1947 kam das strohgedeckte, nahezu 2m lange Schwarzwald-Bauernhaus hinzu. Jetzt konnte die Krippe erstmals aufgebaut werden.

In den folgenden Jahren stattete Albert Jäger in liebevoller Kleinarbeit das Bauernhaus aus mit allem was man in früherer Zeit auf einem Bauernhof benötigte: Jauchefass, Mistgabel, Besen, Sense, Dreschflegel, Riter (Sieb), Rechen, Setzschnur ….. und vieles mehr. Selbst Stroh für die Tiere und Welschkornbündel (Mais), auch Tabakschnüre, eine gut gefüllte Rauchkammer und viele weitere für die Haus- und Hofarbeit wichtige Utensilien ergänzten das Gesamtbild. Unterschiedlichste Materialien aus der Natur und dem alltäglichen Leben wurden dafür zusammengetragen und bearbeitet.

Dabei gab Mesner Jäger Jahr für Jahr seiner Schwarzwaldkrippe mit viel Fantasie und Liebe zum Detail ein neues und den Betrachter überraschendes Augenmerk. So gehören zur Krippenlandschaft Tannenwald, Felsen, Geröll, eine Holzbrücke über eine Schlucht, ein Brunnen, verschiedene Arbeitsplätze wie ein Säge-und Holzspaltplatz, Schafspferch.

Als Albert Jäger im Februar 1975 überraschend verstarb übernahm sein Schwiegersohn Gottfried Fischer den Krippenbau bis 1986; in der Zwischenzeit als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates der Kirchengemeinde St. Nikolaus. Damit begründete er die Tradition, dass die Verantwortung für den Krippenbau dem PGR – Vorsitzenden oblag; von 1986 bis 1997 Egon Wendle; von 1997 bis 2005 Ernst Schaubrenner. Ab 2003 fand dieser in Werner Reichenbach einen fachkundigen Krippenfreund, der besonders mit technischen Veränderungen der Ichenheimer Krippe ein neues Gesicht gab. Derzeit arbeitet ein Team von interessierten Krippenfreunden um Thomas Haagen und Siegfried Scheer und führen weiter, was Albert Jäger begonnen hat. Mit gleicher Hingabe und Liebe zum Detail haben seine Nachfolger den Bestand gepflegt, restauriert und ergänzt sowohl mit Figuren als auch mit weiteren Teilszenen wie dem Backhaus, einem Wasserfall, einem Wasserlauf, Schluchten durch welche Hirten und Könige sich der Krippe nähern.

Bei aller Szenerie und vielfältigen Details, die zum Schauen einladen, ist die Heilige Familie mit dem Kind in der Krippe das Zentrum auf das alles zuströmt. Diese Mitte gibt dem Gesamtbild seinen Sinn und erweckt im Betrachter den Eindruck, Teil des Ganzen zu sein. So wird die Ichenheimer Weihnachtskrippe zum Ort der Begegnung mit Jesus selbst und vielen anderen Menschen, die sich von der Botschaft dieser Krippe anrühren lassen. Die Krippe ist ab dem ersten Weihnachtsfeiertag täglich geöffnet von 9.30 Uhr bis 18 Uhr.

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